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Dialog mit Martina Ruhardt (Die Linke) zum Thema: Wie geht es weiter mit der Weiterbildung?

Frage:

Die Linke beschreibt einen ganzheitlichen Bildungsbegriff mit dem Ziel der Entfaltung der eigenen, selbstbewussten Persönlichkeit. Sie meinen damit das breite Angebot, das wir über die Volkshochschulen abdecken. Im Weiterbildungsgesetz wird aber immer unterschieden zwischen Pflichtangebot und Grundsicherung. Wir finden das sehr schade, weil wir alle Bereiche gleichberechtigt sehen. Wie stehen Sie dazu?

Martina Ruhardt (Die Linke)

Das ist genau die Frage, auf die ich sehr gerne eingehen möchte, weil das ein ganz wichtiges Thema für mich ist. Wir merken schon bei den vorherigen Antworten, dass es eigentlich immer wieder um die Ökonomisierung der Bildung geht. Wir reden von Kompetenzen, wir reden von Qualifikationen, aber Bildung ist ja viel mehr. Sie haben als VHS nicht umsonst seit dem Jahr 1946 die Aufgabe, tatsächlich für die Grundversorgung der Bildung zu stehen. Dazu gehören eine umfassende Bildung und ein umfassender Bildungsbegriff. Wenn wir nur gucken: „ Was rechnet sich?“ dann kommen wir immer in diese Situation: „Was wird wieder gestrichen?“. Wir können dann Angebote aus dem politischen, sozialen und kulturellen Bereich vielleicht überhaupt nicht mehr anbieten, weil sich politische Seminare so nicht rechnen,- jedenfalls nicht sofort auf den ersten Blick. Deshalb ist uns ganz wichtig, dass wir diesen umfassenden Bildungsbegriff haben und wegkommen von der Ökonomisierung der Bildung. Wir möchten auch nicht vom Bildungsmanagement, wir möchten nicht von Bildungsmarkt, und wir möchten auch nicht von einer Kooperation von Wirtschaft und Bildung reden. Wir möchten, dass gerade im Bereich der Weiterbildung die Volkshochschulen wieder genau dafür stehen, dass wir politische, soziale, dann aber auch eben andere Bereiche abdecken, die immer weniger angeboten werden. Das ist aber nur die eine Säule. Selbstverständlich gehört dazu auch der Weiterbildungsauftrag. Wir haben schon gehört, dass Sie eine große Aufgabe in puncto Integration zu leisten haben. Wir haben sehr wenige Beschäftigte was DAZ-und DAF-Beschäftigte, also Deutsch als Zweitsprache und Deutsch als Fremdsprache. Das muss irgendwo aufgefangen werden. Und wenn ich sehe, dass die Entgelte der Teilnehmer in Herten fast 30% im letzten Jahr, und 1975 nur 10% der VHS-Finanzierung betragen haben, dann hat sich das verdreifacht. Wir müssen tatsächlich gucken, dass das wieder etwas reduziert wird, damit keine soziale Spaltung entsteht.

Frage:

Die Linke schreibt in ihrem Programm, dass sie Weiterbildung und den Ausbau der Volkshochschule als örtliche Zentren der Weiterbildung fördern wollen. Wie soll das genau aussehen?

Martina Ruhardt (Die Linke)

Wir diskutieren nicht, wie andere Parteien, die interkommunale Zusammenarbeit. Wenn ich dann immer höre, wie im Zuge der Sparmaßnahmen gesagt wird: „Wir legen das alles zusammen. Die Teilnehmer steigen ins Auto, und fahren in die Nachbarstadt, um ein Angebot wahrzunehmen.“ So kann es natürlich nicht gehen. Viele Menschen haben kein Auto und der Nahverkehr ist auch nicht so aufgebaut, als dass man abends kurz mal durch Datteln oder sonst wo fahren kann, um Angebote wahrzunehmen. Es ist so wie beim öffentlichen Nahverkehr: Wenn der nicht gut ist, benutzen ihn immer weniger Menschen und in der Folge werden die Linien immer weiter zusammengestrichen. Die VHS hat die gleiche Entwicklung. Wenn man die Angebote zusammenstreicht sind immer weniger Menschen da, die tatsächlich die Plätze belegen. Deshalb wird dann noch einmal zusammengestrichen. Man nimmt das als Beweis dafür, dass das Angebot nicht oft nachgefragt wird. Das kann es nicht sein! Bildung ist ein Menschenrecht, das ist ein Grundangebot, und unabhängig von der Nachfrage müssen bestimmte Dinge angeboten werden. Das sehen wir sozusagen als verpflichtende Aufgabe. Man kann das nicht unter Nachfragefaktoren sehen. Es ist ein Grundrecht, das ortsnah sein muss, damit die Menschen, die gerade durch den demografischen Wandel oder durch ein Leben in Armut, nicht mobil sind und in Vororten leben, die Angebote wahrnehmen können.

Frage:

Stellen Sie sich vor, Sie sind Kursleiter in der VHS. Was würden Sie uns anbieten?

Martina Ruhardt (Die Linke)

Ich würde auch ein Angebot im Bereich der politischen Bildung wählen und zwar einen Einführungskurs „Demokratische Teilhabe für alle“. Denn immer mehr Menschen sind vom demokratischen Prozess ausgeschlossen.


Wir danken Frau Ruhardt für das Gespräch.

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